Natürlich könnte ich nagelneue Rahmen kaufen für meine Klosterarbeiten. Und natürlich könnte ich frisch gedruckte Heiligenbildchen verwenden. Oder neue Holzschränkchen kaufen. Wo es mich aber hinzieht, sind Flohmärkte. Ich mag diese alles durchdringenden alten Energien, die in den Dingen stecken. Ich mag auch Orte, an denen die Geschichte tobte. Ich erinnere mich an das alte Hotel Evropa in Prag am Wenzelplatz. Ich liebte es. Die schweren Samtvorhänge, die Jugendstilelemente, die Aschenbecher und die abgewetzten alten Sofas, die Teppiche und alles. Ich hatte Träume von einer Ahnin die durchs Haus schwebte. Ich fühlte mich in einem Wirbel aus Energien und Wesenheiten.
Flohmärkte sind für mich wie alte Dachböden. Hier gibt es Dinge zu entdecken, die irgendwann jemandem etwas bedeutet haben. Die nicht weggeworfen werden, weil jemand seinen Wert zu schätzen weiß. Wenn ich Glück habe, entdecke ich kleine Schätze, die ich zu bezaubernden neuen Arbeiten umwandeln kann. Ich mag das Unperfekte. Ich räuchere die Dinge, bedanke mich bei d en Ahnen und verwende sie für neue Arbeiten, weil sie etwas mitbringen, das kein neues Ding mitbringen kann: Geschichte.
Ein alter Rahmen von 1920 erzählt einfach so viel. Eine alte Klosterarbeit zu einem Hochzeitstag. Ich kann diese Arbeit zerlegen, kann das Foto betrachten, überlegen, wann es wohl aufgenommen worden ist, was die Menschen darauf wohl erlebt haben, wo sie gewesen sind, wie es ihnen ergangen ist und ob es heute wohl Nachfolger gibt, die noch leben. Ich zerlege das Bild und verwende die einzelnen Teile, die ich mit neuen Elementen in einem neuen Bild verbinde. Ich schätze diese Dinge sehr und freue mich immer, wenn ich etwas Altes zu neuem Leben erwecken darf. Dass ich Hinterlassenschaften von Verstorbenen kaufen kann oder zu Frauen fahre, die früher Klosterarbeiten machten und mir dann die übrigen Rahmen verkaufen, das empfinde ich als Geschenk. Es sind Energien. Ich verbinde mich mit dem Alten und bringe es ins Heute. Auch das ist Wertschätzung und zudem nachhaltig. Heiligenbilder, Rahmen, Heiligenfiguren, Drähte, alte Klosterarbeiten und Medaillons oder Breverl, ich bin auf Flohmärkten immer auf der Suche nach diesen kleinen Besonderheiten, die ich verwenden kann für meine Arbeiten.

 

 

 

 

 

Ich meine, wenn man sich lange genug

mit einem toten Wesen beschäftigt,

dann spricht es mit einem.

Und wenn man dann nicht nur zuhört,

sondern es auch respektiert und ihm seine Würde zurück geben will,

dann kann man nicht viel falsch machen.

Mir geht es nicht darum, einen sterilen Raum zu schaffen

in dem das Tier von allen Seiten beleuchtet dargestellt wird

um den Tod in seiner ganzen Unbegreifbarkeit zu zeigen.

Sondern das Tier soll seine Würde zurück bekommen.

Seine Aura soll geschmückt werden.

Seine Kraft dargestellt werden.

Für mich verschwindet dann das Gruslige

und es entsteht etwas Neues, "lebendiges" ....

 

Sonja Raab

DIE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT IM SEIN- und was die Fledermaus damit zu tun hat.

 

Für mich war die Spiritualität, meine schamanische Art zu denken, die Art, wie ich Kunst entstehen lasse, usw... immer selbstverständlich und deshalb hab ich es nie für nötig empfunden, etwas zu erklären. Ich TU halt einfach und denk mir, wenns wen interessiert, dann wird er/sie schon fragen oder sich was mitnehmen draus. Ich merke immer wieder, wie überrascht ich bin, wenn jemand eine gute Frage stellt. Und ich freue mich über solche Fragen, weil jede gute Frage für mich ein Grund ist, in die Tiefe zu gehen und zu schauen, was da alles hochkommt. Ich will kein Guru sein, keine Missionierende, ich will einfach nur für mich glücklich sein und wenn andere sich was abschauen ist das ok, wenn mich jemand was fragt, freu ich mich, aber ich geh nicht hin und biedere mich an.

Wenn aber jemand eine wirkliche Frage stellt, eine wo ich merke, dass die Person sich wirklich Gedanken gemacht hat, dann öffnen sich Tore zu Welten die ich selbst erst entdecken kann und das freut mich. Ich frage mich dann immer, was da noch in mir steckt, von dem ich bewusst gar nichts weiß und wünschte, mir würden mehr solche Fragen gestellt, damit ich noch mehr davon entdecken kann.

Schamanismus ist ja eine Welt, die man nach und nach wie kleine Puzzleteile zusammensetzt und am Ende bekommt man eine große Landkarte und weiß dann: „Wenn ich da hingehe, treffe ich mein Krafttier, dort meinen Heiler, da ist die untere Welt, dort die obere Welt, dazwischen der Tunnel, in den ich reingehe und an dessen Ende das Licht ist, ich weiß wo meine Ängste sind, wo mein Seelenhaus steht, wer darin wirkt, wo die Ahnen sind, und so weiter. Wenn ich eine gute Frage gestellt bekomme, dann komme ich in Gegenden dieser Landkarte, wo ich noch nicht war. Dann gehe ich dort hin und schaue nach, was da kommt. Und ich liebe diese Erkundungsreisen. Mir sagte mal jemand, ich wäre ein Pionier, das stünde in meinem Horoskop. Also wenn ich jemals Pionier war, dann darin, meine Seelenkarte und die Geistwelt zu erkunden.

Heute fragte mich jemand, ob es Absicht war, dass die Fledermaus, die ich grade als Klosterarbeit gefertigt habe, so in den Hintergrund tritt, weil der Stoff auf dem sie liegt, so dunkel ist. Und für mich war das ganz einfach bei der Herstellung, die Fledermaus suchte den Stoff aus (ich habe sie in einer schamanischen Reise gefragt) – ich selbst hätte königliches Rot genommen, aber das wollte sie nicht. (Auch nicht nach mehrmaligem Gespräch mit meiner Tochter, die auch unbedingt für einen roten Samtstoff gewesen wäre) Die Fledermaus wollte den dunkelblauen Nachthimmel. Und mir war während ich das Bild entstehen ließ nicht klar, dass die Fledermaus nach dem ganzen Schmuck mit goldenen Beigaben in den Hintergrund treten würde. Aber als es dann so war, staunte ich und dachte mir: „Gar nicht blöd, diese Fledermaus, die weiß, wie sie sich flatterig macht. Wie in der Natur, wo man die Fledermaus erst als Schatten aus dem Augenwinkel heraus wahr nimmt und erst auf den zweiten Blick sieht man sie dann wirklich. Und die Fledermaus steht ja (mit Kopf nach unten hängend) auch für das Unbewusste, also sie holt aus den Tiefen des Unterbewusstseins herauf, was angeschaut werden soll. Wieder erst der zweite Blick. Das Unbewusste ist der Schatten, den man ab und zu wahrnimmt, aber erst wenn man hingeht und das Trauma oder die Angst direkt anschaut, sieht man, was es ist. Und bei diesem Fledermausbild ist es auch so. Zuerst sieht man das viele Gold und dann auf den zweiten Blick erkennt man die Fledermaus.

Mir ist das heute nur deshalb klar geworden und bewusst geworden, weil mich jemand gefragt hat.

Und gleichzeitig, als ich diese Frage (per Chat im Messenger hier auf Facebook) gestellt bekam, schaute ich mir eine Dokumentation über Ferdinand von Schirach an, der einen Künstler besuchte, mit ihm auf einem Hügel saß, in die Ferne schaute und dazu sagte: „Das ist Natur, wie ich sie gerne mag: Weit genug weg.“ Ich denke mir noch: „Was für eine blöde Aussage“, als mir auffällt, dass man es auch positiv sehen kann. Wenn man die Dinge mit Abstand betrachtet, wenn man auf die Schatten schaut, wenn man nicht ins Emotionale geht, sondern sich den Dingen mit etwas Abstand gegenüberstellt und sie betrachtet ohne zu werten, ohne zu urteilen, dann kann man mit ihnen kommunizieren. Wenn ich sage, ich rede mit einem Baum, und ich stell mich vor den Baum und rede mit ihm, dann passiert vielleicht gar nichts. Wenn ich aber in meinem Zimmer sitze, weit genug weg vom Baum und ich denke nur an ihn und ich stelle mir vor, wie er sich anfühlt, ich horche, was er mir zu sagen hat, ich lasse mich in ihn hineinfallen, gehe zu seinen Wurzeln runter, fliesse durch diese Wurzeln in den Boden, usw... dann ist das eine urschamanische Art, mit einem Baum zu kommunizieren. Dann ist seine Natur weit genug weg um ihm wirklich nah sein zu können. Damit ist seine Realität gemeint. Es gibt verschiedene Realitäten. Viele Schichten und Stufen und Ebenen der Realität. Ich entferne mich manchmal von der obersten Schicht, von der Äußerlichkeit und gehe einige Schichten darunter um wirklich nah sein zu können. Auch Menschen kann ich deshalb schlecht mit Smalltalk begegnen. Ich mag die tiefen Schichten. Ferdinand von Schirach ist der Enkelsohn von einem Reichsjugendführer der NSDAP. Und wenn er heute in einem Fernseh- Interview sagt: „ Ich habe eine Sehnsucht danach, etwas zusammenzufügen, was man nicht mehr zusammenfügen kann. Und das wird dann Literatur.“- dann ist das der Grund, weshalb er für mich ein großer Literat ist. Weil er nicht einfach nur über seinen Großvater schreibt, sondern das „mit sich und der Welt hadern“ zu seiner Perfektion gemacht hat. Er sieht die Grundlage der Menschen in der Einsamkeit und vielleicht hat ihm genau die Einsamkeit, die er als Kind in einem Internat erlebt hat geholfen, denn in ihr konnte er alles entstehen lassen was er brauchte um zu überleben mit seiner Familienschuld. Und er hat als Kind schon Theaterstücke geschrieben und im Schreiben überhaupt seinen Weg gefunden. Das ist nicht an der Oberfläche gekratzt. Das ist nicht die Fledermaus, die man auf den ersten Blick klar erkennen kann. Das ist nicht der Vortrag über Schamanismus, wo alles erklärt und erläutert wird. Das ist nicht der Missionar, der hingeht: „Mach es so, dann kommst Du in den Himmel“. Das sind viel eher all die leisen Zwischentöne und Schatten, Buchstaben und Klänge, die gemischten Farben, die etwas Neues ergeben, die Nebel, die Wellen, das Kräuseln auf einer Wasseroberfläche, das Ausprobieren und Finger verbrennen und scheitern und wieder aufstehen...das Unperfekte.

 

Von der Klosterarbeit zum Naturverehrungs- Schrein

 

 

 

Die größte Freiheit ist, wenn man sein kann, was man ist.

 

Und ich bin nicht nur eine waschechte Ybbstalerin die gerne allein ist und gerne Zeit in Stille und mit sich selbst verbringt, ich bin auch auf meine ganz eigene Art gläubig, würde mich als spirituellen Menschen bezeichnen. Ich beschäftigte mich bisher 23 Jahre lang mit Schamanismus, nicht nur gedanklich sondern auch im TUN. Ich bin aus der Kirche ausgetreten, aber liebe alles was mit der "Himmelmutter" zu tun hat, mag Götter und Geister, Engel und Welten, auch Kirchen aus architektonischer Sicht, besuche auch gerne Friedhöfe, beschäftige mich mit den Dingen zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod- und überhaupt mit den ZWISCHENRÄUMEN im Besonderen. An mir ist eine Philosophin, oder eine Theologin verloren gegangen, meinte kürzlich jemand. Der Grat zwischen Heidentum und Christentum ist für mich so breit, da hat einiges Platz. Wenn man nun meine schamanische Weltsicht (alles ist belebt und beseelt, vom Blatt bis zum Stein, vom Stern bis zum Fluss oder Berg) mit traditionell- klösterlichem Gottverständnis (ich da unten, er da oben) verwebt und das urtümlich Wilde (Knochen, Krafttiere, viele Welten und Ebenen, Geister und Dämonen, verschiedene Wirklichkeiten, Kreativität die aus dem Menschen heraussprudelt und gesehen, gefühlt und gelebt werden will) mit dem handwerklich Bodenständigen ( etwas erlernen, und mit Geduld und Hingabe dran bleiben und es dann auch erklären und in die Welt bringen und "vermarkten") zusammentut, entstehen Dinge, die den Boden mit dem Himmel verbinden und das spirituelle Sein um ganze Universen erweitern und zum ALL-Eins-Sein führen . 

 

Da ist dann vieles machbar. Das Spektrum pendelt irgendwo zwischen Mufflonschädeln, Heiligenfiguren, Stille, Geduld und Alleinsein, Gott und allem, was einem nur heilig sein kann.

 

Es füllt Räume, schmückt Kraftobjekte, nimmt dem Religiösen nichts an seiner Heiligkeit und gibt doch dem Heidnischen mehr Kraft. Es wirken zwei Welten in der GoldSpinnerei.

 

Und diese zu vereinen, das ist meine Aufgabe. Vielleicht sogar, sie auszusöhnen. Endlich. Das Verbindende zwischen Christentum und Heidentum zu finden und nach aussen zu bringen. Denn alles was existiert sollte heilig sein. Alles sollte uns Wert sein, emporgehoben und geheiligt und geschmückt zu werden. Vom Blatt bis zum Stern. Vom Heiligen bis zum Tier.

 

 

 

Feine goldene Drähte, Perlen und geschliffene Glassteine, Seidengarn, Goldfäden. Wie von Elfenhand gesponnen entstehen kleine Kunstwerke die so vielseitig einsetzbar sind, dass man im ersten Moment gar nicht weiß, was damit alles möglich gemacht werden kann.

 

 

 

Die mittelalterliche Handwerkskunst der Klosterarbeiten bietet Raum für MEHR und WEITER. Heiliges soll verehrt werden. Doch was ist MIR heilig?
Ich habe genug Zeit, darüber nachzudenken.
Vier bis sieben Minuten brauche ich in etwa pro Blatt, pro Ähre, pro Blüte. 16 Einzelteile für ein Sträußchen. Mehrere Sträußchen in einem Bild und dazu noch der Hintergrund, die Borten, das Festnähen, der Rahmen, die Rückseite verblenden, das Vorbereiten, Drähte schneiden, wickeln, usw... 20 reine Arbeitsstunden kann man für eine Klosterarbeit in normaler Größe rechnen.

 

Noch gar keine Rede davon, wie aufwendig es ist, die Materialien und Werkzeuge zu besorgen, die man beileibe nicht in jedem Bastelladen oder Handarbeitsgeschäft bekommt. Brokat und Samtstoffe, Cardonette-Drähte, Garne, Stricknadeln, Zangen, Scheren, Bastelleim, Perlen in allen Größen, alte Rosenkränze und Ketten, Steine, Heiligenbildchen, Ikonenbilder, Goldhaubenstickseide und vieles mehr wird gebraucht.

 

Und dann sind da noch die Tierschädel, die ich auf Flohmärkten kaufe, räuchere, schamanisch bereise und dann mit Blattgold vergolde.

 



 

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich diese Fizzelarbeit mache.

 

 

 

Ich möchte deshalb heute mal erzählen, was mich dazu treibt:

 

   

 

Wer mich kennt, weiß dass ich ein unruhiger Geist bin. Ich hab immer tausend Gedanken im Kopf, immer viele Baustellen gleichzeitig laufen, meine beste Freundin würde wohl sagen, ich tanze immer mit einem Arsch auf mehreren Hochzeiten. Sprudle über wie ein Wasserfall. Egal, ob das nun Kreativität, Tatendrang, Begeisterung für irgendetwas, oder andere Bereiche betrifft. Eines meiner Beine wippt immer wenn ich sitze. Ich plane Dinge im Kopf schon Tage im Voraus. Und zwar gedanklich immer und immer wieder, in allen Variationen um auf alles vorbereitet zu sein. Ich selbst habe mich einmal als „innerlich hyperaktiv“ beschrieben. Schon in der Schule hatte ich den „Tick“ einen Stift zwischen meinen Fingern zu drehen, dieser Stift bewegte sich einfach ununterbrochen, bis aus den Anfangs abgehackten Bewegungen eine fliessende Bewegung wurde, was mich damals sehr faszinierte. Ich habe früher meine Fingernägel abgekaut vor lauter innerer Nervosität. Schon früh habe ich dann begonnen, bewusst Gedanken zu bremsen. Ich machte einen Meditationskurs und lernte Silben zu atmen, um den Gedankenfluss zu stoppen. So dachte ich zum Beispiel beim Einatmen: „Faaaaa“ und beim Ausatmen: „Soooooo“ Ich ließ meine Gedanken wie Wolken vorbeiziehen. Ich bemerkte sie zwar, blieb aber nicht mehr an ihnen hängen. Trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich mir zu viel zumute. In den letzten 10 Jahrn hatte ich ein körperliches Leiden, das mich regelmässig ausbremste und mich dazu zwang, still zu sitzen und ruhig zu werden. Im letzten Jahr hab ich mich dann deshalb operieren lassen, weil es mich verrückt machte. Nun war das körperliche Ausbremsen zwar verschwunden, aber nun musste ich also selbst darauf achten, mich runterzuholen.

 

 

 

Ich wollte endlich diese übersprudelnde Energie in Bahnen lenken. Und Kreativität und Spiritualität sind zwei Bahnen, die mich in meinem Leben immer schon stark beeinflussten und die mir am meisten Spaß machten. Also suchte ich etwas, was ich lernen konnte. Etwas Neues. Etwas künstlerisches. Kreatives. Und ich wurde sofort mit dem Angebot im Stift Seitenstetten konfrontiert. Ein Kurs für Klosterarbeiten. Perfekt. Ich lernte also das Handwerk und hab dann einfach meine ganze Energie da hinein verschwinden lassen. Und nun sprudelt sie in Form von Kunst wieder aus mir raus. Der Unterschied zu früher ist, dass früher alles Mögliche aus dieser Energie heraus entstand: Bücher, Bilder, Gedichte, Seidenmalerei, geschliffene Steine, Ideen, usw...

 

 

 

Nur dieses Mal fesselt mich die Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin überhaupt kein geduldiger Mensch. Aber Klosterarbeit kann man nunmal nicht „schnell“ machen. Trotzdem ist es mir möglich, auch mal zwischendurch ein paar Blüten zu machen und dann wieder was anderes zu tun. Ich habe also die Möglichkeit, etwas fertig zu bringen (ein Blatt, eine Blüte) und trotzdem nicht das Gefühl, dass ich tagelang oder wochenlang an etwas arbeite ohne Ergebnisse zu sehen. Ich habe viele kleine Zwischenergebnisse, die meinen Kopf beruhigen. Und am Ende dann das Glücksgefühl, etwas geschaffen zu haben, das aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzt wurde. Und die Arbeit hilft mir, komplett im Hier und Jetzt zu sein. Während der Arbeit denke ich an nichts anderes als an das Zählen der Drähte und Perlen. Ich erwische mich dabei, dass ich laut mitzähle. Kein abschweifen in irgendetwas Zukünftiges. Kein nachhängen von Gedanken an irgendwas Vergangenes. Ich bin mit den Perlen und Drähten und dem Stück an dem ich arbeite allein. Es ist still. In mir und um mich herum. Meine Werkstatt hat keine tickende Uhr. Ich arbeite, wenn alle anderen ausser Haus sind. Es ist absolut still.

 

 

 

Ich wippe nicht mit dem Bein, ich knabbere nicht mehr an den Fingernägeln, ich denke nicht, ich plane nicht, ich empfinde es als meine persönliche Therapie vom Überschuss an Energie.

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiterer wundervoller Aspekt dieser Arbeit ist, dass ich Zwischenwelten zelibrieren kann. Zwischen Christentum und Heidentum. Zwischen Himmel und Erde. Zwischen Göttern und Krafttieren, zwischen andächtig und archaisch, zwischen Tradition und Moderne.

 

 

 

Manchmal bin ich den Christen zu heidnisch und den Heiden bin ich oft zu christlich. Aber ich bin der Meinung, dass man sich nicht entscheiden muss. Man kann alles nehmen., was einem das Leben schenkt. Kreativität, Kraft, Liebe, aber auch die Schatten, damit man wieder zu schätzen weiß, was man hat. Und letztendlich kann ich ja auch nur dann etwas weitergeben, wenn ich so viel von allem habe, dass ich übersprudle und es weitergeben kann ohne etwas zu verlieren dabei. Ich kann nur dann in meiner Kraft bleiben, wenn ich so viel davon habe, dass ich ohne Verlust etwas davon abgeben kann. Und diese Kraft oder Energie ist es auch, die mich demütig macht. Alles was existiert, hat seinen Ursprung im NICHTS. Manche Völker nennen es „das große Geheimnis“ oder auch „das Göttliche“. Gott ist für mich ein Begriff der einschränkt, weil es mich an das kirchliche Bild „des Mannes, der im Himmel sitzt und über uns richtet“ erinnert.

 

 

 

Das große Geheimnis ist etwas, das uns ein Rätsel ist, das Raum für Wunder bereit hält. Das wir nicht benennen können.

 

 

 

Ich schmücke meine Ikonen und Tierschädel weil ich damit dieses Geheimnisvolle in der Aura eines jeden Wesens hervorheben will. Das große Geheimnis, von dem wir alle ein Teil sind.

 

 

 

Ein Begriff der mir immer wieder während der Arbeit in den Sinn kommt ist: „ZUFRIEDENHEIT“. Ich bin in Frieden mit mir. Und diesen Frieden gebe ich gerne weiter durch die Dinge, die daraus entstehen. Möge dieser innerliche Frieden in die Welt hinaus getragen werden mit jedem Stück, das ich weitergebe. Und möge er äußeren Frieden bewirken.