Von der Klosterarbeit zum Naturverehrungs- Schrein

 

Die größte Freiheit ist, wenn man sein kann, was man ist.

Und ich bin nicht nur eine waschechte Ybbstalerin die gerne allein ist und gerne Zeit in Stille und mit sich selbst verbringt, ich bin auch auf meine ganz eigene Art gläubig, würde mich als spirituellen Menschen bezeichnen. Ich beschäftigte mich bisher 23 Jahre lang mit Schamanismus, nicht nur gedanklich sondern auch im TUN. Ich bin aus der Kirche ausgetreten, aber liebe alles was mit der "Himmelmutter" zu tun hat, mag Götter und Geister, Engel und Welten, auch Kirchen aus architektonischer Sicht, besuche auch gerne Friedhöfe, beschäftige mich mit den Dingen zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod- und überhaupt mit den ZWISCHENRÄUMEN im Besonderen. An mir ist eine Philosophin, oder eine Theologin verloren gegangen, meinte kürzlich jemand. Der Grat zwischen Heidentum und Christentum ist für mich so breit, da hat einiges Platz. Wenn man nun meine schamanische Weltsicht (alles ist belebt und beseelt, vom Blatt bis zum Stein, vom Stern bis zum Fluss oder Berg) mit traditionell- klösterlichem Gottverständnis (ich da unten, er da oben) verwebt und das urtümlich Wilde (Knochen, Krafttiere, viele Welten und Ebenen, Geister und Dämonen, verschiedene Wirklichkeiten, Kreativität die aus dem Menschen heraussprudelt und gesehen, gefühlt und gelebt werden will) mit dem handwerklich Bodenständigen ( etwas erlernen, und mit Geduld und Hingabe dran bleiben und es dann auch erklären und in die Welt bringen und "vermarkten") zusammentut, entstehen Dinge, die den Boden mit dem Himmel verbinden und das spirituelle Sein um ganze Universen erweitern und zum ALL-Eins-Sein führen . 

Da ist dann vieles machbar. Das Spektrum pendelt irgendwo zwischen Mufflonschädeln, Heiligenfiguren, Stille, Geduld und Alleinsein, Gott und allem, was einem nur heilig sein kann.

Es füllt Räume, schmückt Kraftobjekte, nimmt dem Religiösen nichts an seiner Heiligkeit und gibt doch dem Heidnischen mehr Kraft. Es wirken zwei Welten in der GoldSpinnerei.

Und diese zu vereinen, das ist meine Aufgabe. Vielleicht sogar, sie auszusöhnen. Endlich. Das Verbindende zwischen Christentum und Heidentum zu finden und nach aussen zu bringen. Denn alles was existiert sollte heilig sein. Alles sollte uns Wert sein, emporgehoben und geheiligt und geschmückt zu werden. Vom Blatt bis zum Stern. Vom Heiligen bis zum Tier.

 

Feine goldene Drähte, Perlen und geschliffene Glassteine, Seidengarn, Goldfäden. Wie von Elfenhand gesponnen entstehen kleine Kunstwerke die so vielseitig einsetzbar sind, dass man im ersten Moment gar nicht weiß, was damit alles möglich gemacht werden kann.

 

Die mittelalterliche Handwerkskunst der Klosterarbeiten bietet Raum für MEHR und WEITER. Heiliges soll verehrt werden. Doch was ist MIR heilig?
Ich habe genug Zeit, darüber nachzudenken.
Vier bis sieben Minuten brauche ich in etwa pro Blatt, pro Ähre, pro Blüte. 16 Einzelteile für ein Sträußchen. Mehrere Sträußchen in einem Bild und dazu noch der Hintergrund, die Borten, das Festnähen, der Rahmen, die Rückseite verblenden, das Vorbereiten, Drähte schneiden, wickeln, usw... 20 reine Arbeitsstunden kann man für eine Klosterarbeit in normaler Größe rechnen.

Noch gar keine Rede davon, wie aufwendig es ist, die Materialien und Werkzeuge zu besorgen, die man beileibe nicht in jedem Bastelladen oder Handarbeitsgeschäft bekommt. Brokat und Samtstoffe, Cardonette-Drähte, Garne, Stricknadeln, Zangen, Scheren, Bastelleim, Perlen in allen Größen, alte Rosenkränze und Ketten, Steine, Heiligenbildchen, Ikonenbilder, Goldhaubenstickseide und vieles mehr wird gebraucht.

Und dann sind da noch die Tierschädel, die ich auf Flohmärkten kaufe, räuchere, schamanisch bereise und dann mit Blattgold vergolde.