Immer wieder werde ich gefragt, warum ich diese Fizzelarbeit mache.

 

Ich möchte deshalb heute mal erzählen, was mich dazu treibt:

 

 

 

 

Wer mich kennt, weiß dass ich ein unruhiger Geist bin. Ich hab immer tausend Gedanken im Kopf, immer viele Baustellen gleichzeitig laufen, meine beste Freundin würde wohl sagen, ich tanze immer mit einem Arsch auf mehreren Hochzeiten. Sprudle über wie ein Wasserfall. Egal, ob das nun Kreativität, Tatendrang, Begeisterung für irgendetwas, oder andere Bereiche betrifft. Eines meiner Beine wippt immer wenn ich sitze. Ich plane Dinge im Kopf schon Tage im Voraus. Und zwar gedanklich immer und immer wieder, in allen Variationen um auf alles vorbereitet zu sein. Ich selbst habe mich einmal als „innerlich hyperaktiv“ beschrieben. Schon in der Schule hatte ich den „Tick“ einen Stift zwischen meinen Fingern zu drehen, dieser Stift bewegte sich einfach ununterbrochen, bis aus den Anfangs abgehackten Bewegungen eine fliessende Bewegung wurde, was mich damals sehr faszinierte. Ich habe früher meine Fingernägel abgekaut vor lauter innerer Nervosität. Schon früh habe ich dann begonnen, bewusst Gedanken zu bremsen. Ich machte einen Meditationskurs und lernte Silben zu atmen, um den Gedankenfluss zu stoppen. So dachte ich zum Beispiel beim Einatmen: „Faaaaa“ und beim Ausatmen: „Soooooo“ Ich ließ meine Gedanken wie Wolken vorbeiziehen. Ich bemerkte sie zwar, blieb aber nicht mehr an ihnen hängen. Trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich mir zu viel zumute. In den letzten 10 Jahrn hatte ich ein körperliches Leiden, das mich regelmässig ausbremste und mich dazu zwang, still zu sitzen und ruhig zu werden. Im letzten Jahr hab ich mich dann deshalb operieren lassen, weil es mich verrückt machte. Nun war das körperliche Ausbremsen zwar verschwunden, aber nun musste ich also selbst darauf achten, mich runterzuholen.

 

Ich wollte endlich diese übersprudelnde Energie in Bahnen lenken. Und Kreativität und Spiritualität sind zwei Bahnen, die mich in meinem Leben immer schon stark beeinflussten und die mir am meisten Spaß machten. Also suchte ich etwas, was ich lernen konnte. Etwas Neues. Etwas künstlerisches. Kreatives. Und ich wurde sofort mit dem Angebot im Stift Seitenstetten konfrontiert. Ein Kurs für Klosterarbeiten. Perfekt. Ich lernte also das Handwerk und hab dann einfach meine ganze Energie da hinein verschwinden lassen. Und nun sprudelt sie in Form von Kunst wieder aus mir raus. Der Unterschied zu früher ist, dass früher alles Mögliche aus dieser Energie heraus entstand: Bücher, Bilder, Gedichte, Seidenmalerei, geschliffene Steine, Ideen, usw...

 

Nur dieses Mal fesselt mich die Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin überhaupt kein geduldiger Mensch. Aber Klosterarbeit kann man nunmal nicht „schnell“ machen. Trotzdem ist es mir möglich, auch mal zwischendurch ein paar Blüten zu machen und dann wieder was anderes zu tun. Ich habe also die Möglichkeit, etwas fertig zu bringen (ein Blatt, eine Blüte) und trotzdem nicht das Gefühl, dass ich tagelang oder wochenlang an etwas arbeite ohne Ergebnisse zu sehen. Ich habe viele kleine Zwischenergebnisse, die meinen Kopf beruhigen. Und am Ende dann das Glücksgefühl, etwas geschaffen zu haben, das aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzt wurde. Und die Arbeit hilft mir, komplett im Hier und Jetzt zu sein. Während der Arbeit denke ich an nichts anderes als an das Zählen der Drähte und Perlen. Ich erwische mich dabei, dass ich laut mitzähle. Kein abschweifen in irgendetwas Zukünftiges. Kein nachhängen von Gedanken an irgendwas Vergangenes. Ich bin mit den Perlen und Drähten und dem Stück an dem ich arbeite allein. Es ist still. In mir und um mich herum. Meine Werkstatt hat keine tickende Uhr. Ich arbeite, wenn alle anderen ausser Haus sind. Es ist absolut still.

 

Ich wippe nicht mit dem Bein, ich knabbere nicht mehr an den Fingernägeln, ich denke nicht, ich plane nicht, ich empfinde es als meine persönliche Therapie vom Überschuss an Energie.

 

 

 

Ein weiterer wundervoller Aspekt dieser Arbeit ist, dass ich Zwischenwelten zelibrieren kann. Zwischen Christentum und Heidentum. Zwischen Himmel und Erde. Zwischen Göttern und Krafttieren, zwischen andächtig und archaisch, zwischen Tradition und Moderne.

 

Manchmal bin ich den Christen zu heidnisch und den Heiden bin ich oft zu christlich. Aber ich bin der Meinung, dass man sich nicht entscheiden muss. Man kann alles nehmen., was einem das Leben schenkt. Kreativität, Kraft, Liebe, aber auch die Schatten, damit man wieder zu schätzen weiß, was man hat. Und letztendlich kann ich ja auch nur dann etwas weitergeben, wenn ich so viel von allem habe, dass ich übersprudle und es weitergeben kann ohne etwas zu verlieren dabei. Ich kann nur dann in meiner Kraft bleiben, wenn ich so viel davon habe, dass ich ohne Verlust etwas davon abgeben kann. Und diese Kraft oder Energie ist es auch, die mich demütig macht. Alles was existiert, hat seinen Ursprung im NICHTS. Manche Völker nennen es „das große Geheimnis“ oder auch „das Göttliche“. Gott ist für mich ein Begriff der einschränkt, weil es mich an das kirchliche Bild „des Mannes, der im Himmel sitzt und über uns richtet“ erinnert.

 

Das große Geheimnis ist etwas, das uns ein Rätsel ist, das Raum für Wunder bereit hält. Das wir nicht benennen können.

 

Ich schmücke meine Ikonen und Tierschädel weil ich damit dieses Geheimnisvolle in der Aura eines jeden Wesens hervorheben will. Das große Geheimnis, von dem wir alle ein Teil sind.

 

Ein Begriff der mir immer wieder während der Arbeit in den Sinn kommt ist: „ZUFRIEDENHEIT“. Ich bin in Frieden mit mir. Und diesen Frieden gebe ich gerne weiter durch die Dinge, die daraus entstehen. Möge dieser innerliche Frieden in die Welt hinaus getragen werden mit jedem Stück, das ich weitergebe. Und möge er äußeren Frieden bewirken.