Vorbereitung

 

Bevor ich Knochen, Krallen, Zähne oder Schädel von Tieren für meine GoldSpinnereien verwende, muss ich dafür sorgen, dass sie gute Energie haben. Ich kaufe die Sachen auf Flohmärkten und weiß nicht, auf welche Art die Tiere gestorben sind, wie sie gelebt haben, wie nach ihrem Tod mit ihnen umgegangen wurde. Wenn ich ein Tier bekomme, dann bin ich dafür verantwortlich, dieses Tier wieder in seine "goldene Form" zu bringen- auch in spiritueller Hinsicht. Ich bereise es auf schamanische Weise, ich räuchere die Teile, bitte sie darum, für Lichtvolles zu wirken und bitte sie um Vergebung für alles, was ihnen zu Lebzeiten angetan wurde. Ich erzähle ihnen, wofür sie verwendet werden und bitte darum, dass sie den Menschen helfen mögen, zu denen sie letztendlich kommen. Danach fühlt sich das für mich anders an. Ich möchte nur "saubere" Tiere verwenden.
Für mich ist die Verarbeitung von Tierteilen immer schon ein "heiliger Schöpfungsprozess" gewesen. Das sind nicht nur die toten Überreste. Vielmehr tragen die Knochen und Hörner noch die Kraft des Tieres. Und jedes Tier steht symbolisch für bestimmte Dinge. Kraftobjekte von Tieren wurden in allen Kulturen für magische Handlungen verwendet. Menschen haben in Tänzen und Ritualen durch Masken, Bewegungen, Körpermalerei und viele andere Ausdrucksformen Tiere imitiert und sich ihrer Kraft bedient. Den heiligen Moment dieser Kraftübertragung möchte ich bewahren.

 

 

DIE VERSCHMELZUNG VON HEIDENTUM UND CHRISTENTUM...

 

 

 

Als Schamanin haben mich schon immer die Räume zwischen den Dingen interessiert. Zwischen Feuer und Luft, zwischen Wasser und Erde, zwischen den Welten und Ebenen. In der österreichischen Kultur gibt es heute noch Fetische, die in einer Zeit entstanden sind, als das Christentum auf das Heidentum traf. Fraisenketten zum Beispiel. An ihnen findet man Tierhaare, Knochen, heidnische Symbole wie Kröten – aber auch Kreuze mit Jesusfiguren. „Viel hilft viel“ wurde damals gesagt und so wurden diese Ketten Kindern bei Epilepsie, hysterischem Schreien, Fieber, Schüttelfrost und vielen anderen damals unerklärlichen Phänomenen um den Hals gehängt und zusammen mit dem „Fraisbrief“ (christlichen Gebeten zu 77 verschiedenen Arten der Frais) verwendet. Auch an die Stalltüren wurden solche Ketten gehängt, sie nannten sich „Stallbethen“- was zum Einen vom „beten“ abgeleitet wird, zum anderen von den „Bethen“, der christlichen Dreiergruppe der Heiligen Einbeth, Warbeth und Wilbeth. Die Ketten sollten das Vieh schützen und Böses fernhalten.

 

Klosterarbeiten sind nun die christliche Form der Heiligenverehrung. Die „schönen Künste“ stammen aus dem Mittelalter. Meine Idee war, die heidnische Form der Naturverehrung in diese Kunst einfließen zu lassen und an die Stelle der Heiligenbilder rückt nun die Natur in den Vordergrund. Füchse, Marder, Mufflons und andere Tierschädel sind symbolisch für die Natur zu betrachten, schamanische Krafttiere als Pendant zur Mutter Gottes. Nicht weniger heilig, nicht weniger wichtig, je nach Glauben. Und es ist eine Verbindung und Aussöhnung mit der Kirche, denn im Grunde verehrt man so oder so das Göttliche.

 

Das Heilige in jedem Blatt sehen, das Göttliche im Wunder der Natur. Jeder Berg ist heilig, jedes Tier, jeder Stein. So werden Tierschädel mit Blattgold veredelt und mit Blütenranken aus Echtgolddrähten und mit Wachsperlen geschmückt.