Es ist spannend, was meine Kunst im Betrachter mitunter auslöst. Schon bei einer meiner ersten Ausstellungen kam eine Frau auf mich zu und meinte, das was ich da mache, wäre schlechte Energie. Das wäre ganz schlecht, weil tote Tiere nämlich schlechte Energie haben.
Eine andere Frau schimpfte über die Jäger, die sich tote Tiere an die Wand hängen und meinte, ich würde denen ja nur noch Mut machen, wenn ich die Tiere nun auch noch für sie schmücke und vergolde.
Heute schrieb eine Frau über den vergoldeten Dachs: (Ich zitiere) „Wer auf dieser Welt benötigt einen vergoldeten Schädel in einem Schrein? Sorry, ich finde das krank... Und noch dazu eine Klosterarbeit?!? Was läuft falsch? Ich bin da sehr empfindlich, seit ich um diesen Totenkult und die vielen misshandelten Kinder weiß“ Und wieder eine Andere schreibt: „Ich finde, Wertschätzung findet im Leben statt, was tot ist, ist tot. Also Materie“

So. Ich lese diese Meinungen interessiert und mit einem leichten Schmunzeln, weil Kunst davon lebt, dass darüber dikutiert wird. Und mein erster Gedanke dazu ist: „NEIN. Niemand braucht einen vergoldeten Dachs in einem Schrein. Natürlich nicht!“ Und nochmal „Nein“. Tote Tiere haben grundsätzlich keine schlechte Energie. Man kann die Knochen räuchern, reinigen, energetisch reinigen, schamanisch bereisen, das Tier auch wenn es tot ist wertschätzen und ehren, respektieren und achten. Das kann man. Und das macht auch was mit der Energie der Knochen.
Und ich schmücke sie auch nicht weil ich den Jägern zeigen möchte wie toll die toten Tiere sind oder weil ich der Kirche zeigen möchte wie toll die geschmückten Knochen ihrer Heiligen sind.
Ich komme ja aus einer völlig anderen Richtung (Schamanismus) und das wissen halt viele auch gar nicht, die mich nicht näher kennen. (Obwohl man schon drauf kommen könnte, wenn man ein paar Texte oder nur den Titel-Text auf meiner Homepage lesen würde.)

Als ich damit begann, tote Tiere zu schmücken, da dachte ich auch, dass meine Kunden wahrscheinlich Jäger sein werden.
Aber ich hatte mich geirrt, denn Jäger finden das, was ich da veranstalte mit ihren alten Trophäen eher furchtbar. Die wollen keinen Schnickschnack, und kein pompöses Gedöns, sie wollen eine Trophäe. Den Lohn der Jagd. Den Beweis ihres Handwerks. Nix mit Gold und Klimbim.
Und was die Kirchenleute von meiner Kunst halten kann ich mir mittlerweile auch denken, da brauch ich nur auf so manche böse Blicke zu achten und ich weiß, dass viele da auch nix davon halten, weil ich dadurch, dass ich mich nicht auf Heilige beschränke, dieses ehrwürdige, alte Handwerk in ihren Augen durch den Kakao ziehe. Das verstehe ich. Das kann ich gut nachvollziehen, vielleicht ginge es mir umgekehrt auch gegen den Strich, wenn die Kirche plötzlich beginnen würde, irgendwelche Sachen von Naturvölkern zu vergolden und in Kirchen aufzuhängen. Das fände ich auch schlimm.

Heute, zwei Jahre später kann ich sagen: Meine Kunden sind zu 80% spirituelle Frauen. Und ein paar Männer, die aus verschiedenen Gründen bei mir einkaufen. Aber kein einziger Jäger. Und niemand von der Kirche.
Auch wurde mir vorgeworfen, ich würde die Knochen aus der Natur stehlen, anstatt Lebensraum zu schaffen für diese Tiere, die ich würdigen will.
Auch hier kann ich mit einem klaren „Nein“ antworten, denn ich bekomme meine Knochen und Schädel entweder von Flohmärkten, aus Dachböden, es sind alte Sachen, die niemand braucht, die man wegwirft, die man lieber mir schenkt, als am Dachboden verstauben zu lassen, die sterben nicht wegen mir und ich nehme sie der Natur nicht weg.
Ich fände es respektlos, sie in den Müll zu werfen oder wo im Keller oder in einer Hütte vergammeln zu lassen.

Ich bin seit 24 Jahren schamanisch tätig. Ich bin eine, die singt für den Berg, wenn sie durch einen Tunnel fährt. Die klaubt ein totes Tier von der Strasse, bringt es in den Wald, streut Tabak drüber und weint ein bisschen und entschuldigt sich für die Menschen die achtlos drüber gefahren sind. Ich bin eine die lässt einen kompletten Falken trotz wunderschönem Federkleid im Wald liegen, weil sie das Gefühl hat, der will da bleiben. Ich bin eine die nie mit Hammer und Meissel Ammoniten aus dem Muttergestein geklopft hat und nie einen Bergkristall aus einer Wand geschlagen hat, weil sie nur nimmt, was die Natur ihr freiwillig schenkt. Und selbst da kam es vor, dass mein Sohn und ich wenn wir einen tollen Ammoniten gefunden hatten, ihn zurück ließen, weil es sich einfach falsch anspürte. Manchmal hab ich sogar schlechtes Gewissen, wenn ich einen Stein vom Strand ins Wasser werfe, weil ich mir denke: „Vielleicht wollte der nicht ins Wasser und es war falsch!“
So eine bin ich.
Und glaubt mir, bevor ich einen Schädel vergolde und schmücke passiert viel.
Es ist das Achtsamste und Respektvollste was ich jemals gemacht habe. Ich kommuniziere mit diesem toten Schädel. Ich reinige ihn, räuchere ihn, reinige ihn energetisch, bereise ihn schamanisch. Ich weiß, was dieses Tier will oder nicht will oder wie ich es schmücken darf oder nicht. Und manche Tiere schmücke ich auch nicht. Die vergrabe ich dann irgendwo, weils halt nicht passt. Das kommt vor.

Und ich mache diese Arbeit nicht, weil irgendjemand das BRAUCHT sondern weil es dieses spezielle Tier verdient hat. Es ist das Höchste, was ich diesem Tier noch geben kann. Ich kann es nicht mehr lebendig machen. Und ja, ich kümmere mich auch um lebendige Tiere. Bin Bären- Patin, Wal- Patin, unterstütze Tierschutzorganisationen, hab einen Hund aus der Tötung gerettet, usw...
Das hat alles nichts mit der Kunst zu tun. Aber das bin auch ich.
Die Schädel im Beinhaus in Hallstatt hat niemand bemalt, weil das irgendwer GEBRAUCHT hätte, es war auch nicht KRANK und es hat auch mit der KIRCHE gar nicht viel zu tun. Sie wurden deshalb bemalt, weil die Toten damit geehrt wurden. Ganz einfach. Es gibt so viele Totenkulte in so vielen Ländern, die man sich bei uns in Europa nur schwer vorstellen kann, weil wir den Tod nicht haben wollen. Nicht im Schweinsbraten, nicht im Wohnhaus, nicht im Alltag, einfach überhaupt nicht. Wir quartieren unsere Alten aus wenn sie sterben, wir wollen mit Schlachten nix zu tun haben, wir wollen unsere Hände in Unschuld waschen, was den Tod betrifft.
Wir wollen das nicht sehen.
Und dann komm ich daher und provoziere diese Menschen und halte ihnen den Tod direkt vor die Augen. Das ärgert einige. Ich weiß.
Und es tut mir NICHT Leid. Im Gegenteil. Ich finde gut, dass gefragt wird, dass geschimpft wird, dass duiskutiert und nachgedacht wird. Das bedeutet, es wird hingeschaut.
Und ich nehme es nicht persönlich.
Weil ICH hab den Tod nicht ausgesperrt. Ich kenn ihn, er geht neben mir, seit ich geboren bin.
Mich hat er immer schon fasziniert, ich habe mich deshalb jahrelang mit dem Holocaust und KZ`s und Folter beschäftigt und Ceija Stojka getroffen, die mehrere KZ`s überlebt hat. Ich habe deshalb Brieffreunde in Gefängnissen gehabt, auch Mörder. Schon als Jugendliche.
Ich bin jetzt in der Kunst nur da angekommen, wo ich immer schon war.

In Estland stand ich fasziniert in einer Kirche und bestaunte ein Bild mit dem Titel: „Totentanz“ Man sah darauf Menschen, die jeweils von einem Skelett begleitet wurden. Nirgends war mir das Thema allgegenwärtiger als in Tallinn. An jeder Ecke gab es die Geister der Toten in irgendeiner Form zu sehen. Als Skulpturen, Bilder, am Galgenplatz, im Jesuitenkloster, oder als Engelsfigur am Meer, die für ein gesunkenes Schiff aufgestellt wurde, bei dem viele Menschen starben.
Auch wenn wir den Tod nicht haben wollen, wir stehen am Boden der Vorfahren. Wir sind aus dem, was die, die vor uns gingen schon gelebt haben. Das ist keine schlechte Energie. Es ist nur der Lauf der Dinge. Alles ist ein Werden und Sein und Vergehen.
Manche halten das nur ganz schlecht aus, aber niemand entkommt dem.

Und ich empfinde es nicht als krank, etwas Totes zu vergolden und zu schmücken, sondern im Gegenteil. Es ist das Heiligste, was ich für ein totes Wesen tun kann. Ich kann es nicht lebendig machen, aber ich kann es schmücken und ehren und in Gold kleiden und ihm meinen Respekt zollen, indem ich das, was ich am Besten kann, für dieses tote Wesen gebe.
Meine Kreativität.