Das Leben ist die Lehrzeit

Den Weg über die Klosterarbeiten habe ich nur gewählt, weil es die einzige Möglichkeit war, dorthin zu kommen, wo ich grade stehe.

Ich besuchte also einen Kurs im Stift Seitenstetten, zwei Mal 8 Stunden und ich hatte meine erste Klosterarbeit in Händen, die allerdings nicht so ausgefallen war, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich wollte eigentlich dunkelblauen Hintergrund und weit mehr schmückendes Beiwerk als innerhalb des Kurses möglich war - die Kursleiterin stellte sich aber hellblauen Stoff vor... also fuhr ich mit dem fertigen Erstlingswerk nach Hause und zwei Tage später hatte ich es einer langjährigen lieben Freundin in der Schweiz verkauft, die sich wahnsinnig darüber freute.

Sofort machte ich mich an die Arbeit und schuf mein dunkelblaues Madonnenbild im runden Rahmen, so wie ich mir das vorgestellt hatte.

Aber wenige Tage später interessierte es mich auch schon nicht mehr so wirklich und ich machte mich auf die Suche nach weiteren Möglichkeiten. Ich spielte mit Farben und Andachtsbildern, suchte auf Raritätenmärkten antike Bildchen und Rosenkränze, montierte die Perlen von den Kränzen und verwendete sie um Blüten draus zu machen. Ich machte mich auf die Suche nach jemandem, der mir mehr zeigt und wo ich auch das Material bekommen konnte und fand die "Draht- Dealerin meines Vertrauens" ganz in der Nähe.

Da das Material sehr teuer ist, konnte ich immer nur so viel machen, wie ich dann auch an Freunde und Verwandte verkaufen konnte.

Doch wenige Monate später war ich wie eine Süchtige und klapperte nur noch Flohmärkte, Kirchen und Klöster ab, Antiquitätenhändler und alte Omas, um an die Andachtsbildchen und Rosenkränze und Samtstoffe, Devotionalien oder sonstige Materialien zu kommen. Und dann war da noch meine Idee im Kopf, dass ein "Heiligtum" nicht unbedingt mit Heiligen und Kirche zu tun haben muss.

Ich überlegte, was man sonst noch so in die Mitte der Bilder platzieren könnte. Für manche waren ja zum Beispiel Handys das Heiligste. Aber wer hängt sich ein vergoldetes Handy an die Wand?

Ich überlegte: "Was ist mir persönlich heilig?"

Und mein persönliches Heiligtum ist meine schamanische Weltsicht. Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich schon mit Schamanismus, ich war immer fasziniert von Eingeborenenkulturen, schamanische Reisen sind mir alltäglich und selbstverständlich geworden, meine "Spirits"- die geistigen Helfer der nicht-alltäglichen Wirklichkeit, die Krafttiere und Totemtiere,  so real wie das, was andere als real bezeichnen und für mich völlig unesoterisch. Vor vielen Jahren wurde mir einmal vorgeworfen, ich würde den Schamanismus entmystifizieren.

Ich bin bodenständig und alles was nicht in den Alltag einer dreifachen Mutter, Ehefrau und Hausfrau integrierbar ist, brauche ich nicht. Ich wäre gut für ein Kloster geeignet, das ganze Klimbim, das manche Menschen brauchen, brauche ich nicht.

Die Dinge müssen flutschen, sag ich immer, es muss EINFACH sein, anwendbar im Alltag, schlicht.

Schamanismus ist das für mich. Ich habe ein Problem, ein Leiden, eine Krankheit, eine schwierige Lebenssituation, ich setz mich kurz hin, mach die Augen zu, gehe zu meinen geistigen Helfern, stelle meine Fragen, was ich tun soll, und bekomme Antworten. Diese setze ich im Alltag praktisch um. Fertig. Mehr ist da nicht. Und es funktioniert seit über 20 Jahren.